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Kleiner historischer Stadtführer - 1. Station

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Lychen, die Stadt der Seen und Wälder in der Uckermark.

Uckermark:

  • Fläche: 3058 km = größter Landkreis der BRD, aber mit geringster Bevölkerungsdichte (144.000 Einwohner 2003).
  • Name ist vom slawischen Volksstamm der Ukranen, die hier nach der Völkerwanderung 600 n. Chr. siedelten, abgeleitet (terra Ukera).

Das Besondere:

  • 60% Naturschutzgebiet
  • 400 Seen
  • größtes Quellmoor Norddeutschlands
  • größtes zusammenhängendes Binnenschilfgebiet Deutschlands
  • Kreis mit den meisten Schutzgebieten:

Naturpark „Uckermärkische Seen":

  • hüglige Landschaft mit 230 Seen, seltenen Tier- und Pflanzenarten (z.B.: Fischotter, Biber und dem Wappentier Fischadler, der sein Hauptbrutgebiet Europas hier hat)
  • über 1000 Pflanzenarten, von denen ca. 200 auf der Roten Liste stehen (allein 15 Orchideen)

Biosphärenreservat „Schorfheide-Chorin":

  • Deutschlands größtes zusammenhängendes Waldgebiet (400 km2) ist neben dem Wattenmeer (1300 km2) das ausgedehnteste deutsche Naturschutzgebiet und war schon immer hochherrschaftliches Jagdgebiet
  • 10% der Fläche mit verschiedenartigen Mooren
  • Artenvielfalt: Sumpfschildkröte, Kreuzotter, Rotbauchunke, Laubfrösche , Uferschwalben...

Naturpark „Unteres Odertal":

  • 60 km zwischen Hohensaaten und Stettin, einzigartige Flusslandschaft

 

Die Landschaft entstand in der letzten Eiszeit 20.000 - 13.000 vor Chr. (Weichselkaltzeit), deren eine Eisfront südlich von Lychen und die zweite Eisfront nördlich von Lychen zum Stehen kamen und damit diese einzigartige Vielfalt der Landschaft aufbaute. Deshalb ist Lychen der ideale Platz, um von hier diese Naturerlebnisse zu genießen! Außerdem ist es auch ein Gebiet deutscher Geschichte. Die Geschichte der deutschen Ostkolonisation ab Otto I. (912-973).

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Hier waren es die Askanier (Stammburg bei Aschersleben), die zwischen 1134 - 1320 Bran­denburg eroberten und deutsch besiedelten. Lychen ist die einzigste urkundlich gesicherte Stadtgründung der Askanier in Brandenburg. Dieses Gebiet war jedoch schon früher gutes Siedlungsgebiet, wie frühgeschichtliche Funde (1. Fund 2000 vor Chr.: 4-füßiges Tier aus Ton) belegen:

  • 1700 vor Chr. = bronzezeitliche, ger­ma­nische Besiedlung der Insel Lychen,
  • 600 nach Chr. = Völkerwanderung = Slawen in Lychen und
  • 1236 terra Lychen kommt in den Besitz der Askanier (Brandenburg).

Mit Urkunde vom 23.1.1248 beauftragte Markgraf Johann I. von Brandenburg die Brüder Daniel und Eberhard von Parvenitz die Stadt Lychen im terra Lychen zu gründen.

Terra Lychen hatten die Askanier auf die zweite Art (erste = Krieg) 1236 bekommen, indem einer die Tochter vom Pommern-Herzog Wratislaw III. heiratete und die Mitgift (unter anderem auch terra Lychen) einstrich.

Um das Gewonnene zu sichern, wurden an der Nordgrenze befestigte Stützpunkte gebraucht. Deshalb wurden in kurzen Abständen die befestigten Städte Prenzlau (1234), Lychen (1248), Schwedt (1265), Templin (1270) und Angermünde (1284) geschaffen. Damit war die Uckermark, der nördliche Teil von Brandenburg, gesichert. Aber der Streit mit Mecklenburg und Pommern ging erst richtig los, denn habgierig waren sie alle. So waren um 1500 bereits 118 Dörfer (1300 gab es 292 Dörfer in der Uckermark) bereits wieder wüst. Bis 1400 waren von den ursprünglich 177 adligen Familien der Uckermark 90% nicht mehr da. Es war hier also richtig Remmi-Demmi in dieser Zeit, und hinter jedem Busch lauerte der nächste Gegner.

Die nächste Entvölkerung kam später im 30jährigen Krieg, und jetzt werden wir durch fehlende Lebensperspektiven für junge Menschen von der dritten Entvölkerung heimgesucht, trotz „blühender Landschaften".

Jetzt werden wir die Stadt an der früheren Stadtmauer (immer Finger der rechten Hand an der Mauer) umwandern, denn die Stadt musste trotz Insellage zwischen 7 Seen damals eine Stadtmauer (6 m hoch, einschließlich 3 Stadttore), einen Stadtgraben (6 m breit und 1,8 m Schlucktiefe) sowie einen Wall (im 18. Jahrhundert verschwanden Wall und Teile der Wehranlagen) bauen. Das war zwischen 1302 bis 1350. Dafür erhielten die Bürger (Hausbesitzer innerhalb der Stadt) neben Braurecht noch folgende Freiheiten:

 

  • Befreiung von den 3 brandenburgischen Golddenare für 6 Jahre, die sonst jeder Ackerbau betreibende Bürger zahlen musste,
  • Fischereirecht (Reuse etc.) für den Eigenbedarf (bis 1950 gültig und jetzt für einen Bürger bereits wieder),
  • 1 Hausplatz einschließlich Holz zum Bauen und Heizen sowie 40 Morgen Ackerland.

 

Weil wir hier in der Uckermark sind, wurden diese Bauwerke aus Feldstein gebaut. Die Reste des Fürstenberger Tores hier sind noch Zeugnis.

Außerdem sind hier noch Reste des alten Friedhofes von Lychen zu sehen (angelegt 1762; letzte Bestattungen Anfang des 19. Jahrhunderts).

Auf der anderen Straßenseite gab es den „Armenfriedhof", weil Lychen im Mittelalter als eine Stadt mit Verkehrsknotenpunkt auch Hospitäler hatte. Dort war das St. Gertrauden Hospital (gab es in 30 Städten der Mark) einschließlich Kapelle und Friedhof (vor dem heutigen Kriegerdenkmal).

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