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Kleiner historischer Stadtführer - 4. Station

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Blick vom Oberpfuhl in Richtung Stargarder Tor um 1900.

Jetzt sind wir am Stargarder Tor, das bis 1976 ein Wahrzeichen der Stadt und Ort der einzigen Sage der Stadt war. Aber der Reihe nach:

Hier war wahrscheinlich die einzige Stelle, wo man im frühen Mittelalter trockenen Fußes das Gebiet der Stadt betreten konnte. Es gab an dieser Stelle auch vor der deutschen Besiedlung eine slawische Siedlung. Später war hier natürlich ein Stadtgraben (1780 zugeschüttet). Vor dem Tor der öffentliche Backofen, und auch eine Ziegelscheune gab es nach 1732 (Stadtbrand) am Spring.

Zu beachten sind diese schmucken, maroden Scheunen, wie sie in uckermärkischen Städten typisch sind. Warum ist schnell erklärt.Der jüdischeFriedhof wurde 1938 verwüstetet. Seit 1968 gibt es einen Stein mit Gedenktafel. Auf diesem Friedhof fand die letzte jüdische Beerdigung 1925 statt.

1744 gab es in Lychen 749 Bewohner, darunter:

  • 16 Schuhmacher (natürlich alle Millionär durch ihren Beruf), wenn sie nicht ihre Kohlrüben zur Ernährung selbst gepflegt hätten. Deshalb brauchte man damals Scheunen. Getränke braute man selbst. 1792 wurden 2300 Quart (=2633 Liter) Branntwein in Lychen gebrannt. Ja, die Lychener sind echte Schluckspechte!

  • 18 Juden lebten in der Stadt, denn Lychen besaß das Schutzrecht für Juden seit 1467. Schutzrecht, eine Erfindung von Barbarossa (Krönungssteuer ab 1155, denn nach dem ersten Kreuzzug 1096 war das friedliche Nebeneinander mit Juden in Deutschland vorbei). Schutzgeld war eine prima Einnahmequelle für klamme Kassen (Lychen erhielt noch 1805 von jedem Juden 6 Taler Schutzgeld). Außerdem verpflichtete es nicht Besonders. Bsp.: Am 10.12.1509 nimmt der Kurfürst 30 jüdische Familien aus Wien für je 270 Gulden unter Schutz. Bereits am 6.2.1510 werden 40 Juden wegen sog. „Hostienschändung“ verbrannt (davon 2 geköpft = Milderung der Strafe, da sie noch schnell konvertierten). Die Hostien hatten aber nicht die Juden geschändet, sondern ein Handwerksbursche hatte damit seinen Hunger stillen wollen.

 

Der jüdische Friedhof wurde 1938 verwüstetet. Seit 1968 gibt es einen Stein mit Gedenktafel. Auf diesem Friedhof fand die letzte jüdische Beerdigung 1925 statt.

Sage vom Raubritter Quitzow:

1408 soll der Raubritter Quitzow bei Lychen von Herzog Ulrich von Stargard gefangen und im Stargarder Tor eingesperrt worden sein. Quitzow flüchtete auf einem Heuwagen, da er in Gefangenschaft so abgemagert war, dass er durch die Schießscharte auf den Heuwagen springen konnte.

Wahrscheinlicher Ablauf:
Im Schloss von Lychen gefangen gehalten und bereits nach 2 Monaten (also Dezember) gegen den Bruder des Herzogs Ulrich ausgetauscht (Johann von Stargard war vorher bereits von den Quitzowbrüdern gefangen und eingesperrt worden).

Schlacht am Markgrafenbusch 1442
(vor Ortsausgang Lychen in Richtung Boitzenburg):

Der Kaiser hatte Friedrich IV. von Nürnberg beauftragt, in der Mark Brandenburg Ordnung zu schaffen, denn hier waren Mord und Totschlag und die Raubritter aller Wegens in dieser Zeit. Besonders gierig war der Herzog Heinrich von Stargard (=Mecklenburg), der Lychen ständig mit räuberischen Feldzügen heimsuchte. Klugerweise hatte der Kaiser Friedrich dafür 100.000 Gulden versprochen, aber erst nach Erfüllung der Aufgabe die Auszahlung. Deshalb ging Friedrich mit der „Faulen Grete" und allem, was zu besorgen war, vor, und räucherte den widerspenstigen Adel der Altmark und Prignitz aus, die den „Tand von Nürnberg" strikt ablehnten. 1442 trieb Friedrich die feindliche Heeressäule von Herzog Heinrich, vom Kuckucksberg kommend, in den Wurl, und Ruhe war im Stall zwischen Elbe und Oder. Nur der verarmte Adel geisterte in den Jahren zwischen 1502-1534 als Raubritter durch die Gegend.

 

Im Stadtschreiberhaus war das erste Flößermuseum. Der Anker vor der Tür ist 1999 den Lychenern von den Berlinern geschenkt worden, als sie mit 2 Flößen die Hauptstadt besuchten. Heute ist das Flößermuseum im früheren Feuerwehrgebäude. Zu Flößern kommen wir aber noch, denn jetzt geht es an einen der oberen Seen, den Oberpfuhl.

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