Kleiner historischer Stadtführer - 6. Station

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Jetzt sind wir am „Malerwinkel".

Lychen hatte zur Stadtgründung 1248 auch zwei Mühlen. Eine davon stand hier an der Stargarder Straße am Mühlengraben.

Da damals alle in den Himmel kommen wollten, stiftete Markgraf Albrecht II. von Brandenburg 1299 das Zisterzienserkloster Himmelpfort, um eine gute Tat für dieses Begehren vorweisen zu können. Lychen war bei Streitigkeiten zwischen dem Markgrafen und Fürst Leo von Mecklenburg an Mecklenburg gefallen (1298-1442). Das Kloster musste mit etwas ausgestattet werden. Deshalb gab es zwischen Kloster und Lychen später Dauerstreit, und es ist kein Wunder, dass die Reformation und die Abschaffung der Klöster (1541) in Lychen begrüßt wurden.

Was brachte den Ärger?

  1. Fischerei: Das Kloster hatte fast alle Seen um Lychen erhalten und hielt sich einen „Garnmeister", der alle Seen befischte und den Fang an Lychener verkaufte, nachdem er die „Herrenfische" und die „delikaten Arten" beim Abt abgeliefert hatte. Die Lychener Fischereigerechtigkeit war empfindlich beeinträchtigt.
  2. Die „Mahlgerechtigkeit" verschlechterte sich für die Stadt Lychen, denn auch die Stadtmühle gehörte jetzt dem Kloster und das Korn musste alles in der Klostermühle gemahlen werden. Damals war eine Mühle ein einträgliches Geschäft, denn 1/16 des Korns erhielt der Mühlenbesitzer (Mahlzwang endete erst 1810).
  3. Das Kloster hatte seine Strafkolonibei „Fegefeuer" (am Küstrinchener Bach). Dort sollten die „widerhaarigen Mönche bei harter Rodearbeit zahm gemacht werden". Es waren also die Besten der Nation dort, und Lychen wurde dazu verdonnert, bei Ausschreitungen die Gerichtsbarkeit auszuüben. Viel Ehre bei wenig Lohn!

Der Mühlengraben (wir stehen jetzt am anderen Ende) wurde von Mönchen angelegt. Der Name „Malerwinkel" hat mit den Kunstmalern des 20. Jahrhunderts zu tun, die dieses romantische Motiv unbedingt in Öl oder Aquarell bannen wollten.

Das Gebäude war früher eine Leinenfärberei (in Lychen gab es 1801 20 Webstühle; 1900 wird der letzte stillgelegt), die in der Gegend einen guten Ruf hatte, aber die der aufkommenden Großindustrie nicht gewachsen war. Ein Requisit der Färberei war eine Mangel (6 m lang), die von 2 Männern bedient werden musste. Sie hatte so viele Feldsteine drin, dass der Nachbar später seinen ganzen Hof pflastern konnte.